Kirchliche Statistik für 2020: Deutlich weniger Kirchenaustritte – Corona beeinflusst Zahlen massiv

Diözesanbischof Dr. Felix Genn

Im Kreis Kleve leben rund 183.300 Katholiken
Im Kreis Kleve lebten im vergangenen Jahr 183.291 Katholikinnen und Katholiken. Das geht aus der Statistik des Bistums Münster für das Jahr 2020 hervor, die die Bischöfliche Pressestelle am 14. Juli 2021 veröffentlicht hat.

1.054 Menschen haben 2020 ihren Austritt aus der Kirche erklärt, 330 weniger als im Jahr zuvor, das ist ein Rückgang um 23,84 Prozent.
Deutlich gesunken ist die Zahl der Menschen, die sonntags den Gottesdienst besuchen. Mit durchschnittlich 8.934 Gottesdiensteilnehmer/innen waren es 2020 insgesamt 7.173 weniger Menschen als im Vorjahr, der Rückgang um 44,53 Prozent ist der höchste im Bistum Münster. Aufgrund der Corona-Pandemie war die persönliche Teilnahme an Gottesdiensten lange nur sehr beschränkt oder gar nicht möglich. Daher haben das Bistum Münster und viele der Pfarreien im Kreisdekanat den Menschen Gottesdienst-Übertragungen ins Internet oder in Soziale Netzwerke angeboten, die nicht in die Statistik einfließen. Auch weiterhin werden viele Streamings angeboten.

Die Zahl der Taufen ist um 400 auf 877 gesunken, die der Erstkommunionen um 180 auf 1.138 im vergangenen Jahr. 849 Mal wurde das Sakrament der Firmung gespendet, 92 Mal weniger als 2019. 68 Paare gaben sich in einer katholischen Kirche das „Ja-Wort", ein Rückgang um 210. Nahezu unverändert war die Zahl der Bestattungen, die um eine auf 2.046 gesunken ist.

Propst Johannes Mecking, Kreisdechant für das Kreisdekanat Kleve, sagt angesichts der Entwicklung: „So schwerwiegend die hohe Zahl der Austritte in der vergangenen Zeit ist, die mich natürlich auch vor Fragen stellt und betroffen macht, so sehr sehe ich auch die große Zahl der Menschen, die sich vor Ort in unseren Gemeinden mit ganzem Herzen und oftmals auch sehr kritisch engagieren. Sie geben ein lebendiges Zeugnis ihres Glaubens und ihrer Zuversicht, dass auch heute Gottes Geist in den Menschen wirksam ist und bei allen Enttäuschungen und Schwierigkeiten einen Weg in die Zukunft weist.“

Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, erklärt zu den Zahlen: „Einen gewissen Rückgang hatten wir in den vergangenen Jahren immer zu verzeichnen. Die Zahlen des Jahres 2020 sind aber massiv von der Corona-Pandemie beeinflusst. Kirchliches Leben in größerer Gemeinschaft war im vergangenen Jahr leider nur begrenzt möglich. Umgekehrt dürfen wir uns die Tatsache, dass 2020 weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten sind, nicht schönreden. Die Amtsgerichte waren zeitweise geschlossen, und viele Menschen hatten zudem sicher andere Sorgen. Dieses Jahr holt uns die Wirklichkeit mit, soweit wir das im Moment wissen, deutlich höheren Austrittszahlen wieder ein.
Noch befinden wir uns – trotz aktuell mutmachender Entwicklungen in unserem Land – mitten in der Pandemie. Wie geht es nach der Pandemie oder dann, wenn wir diese wirklich weltweit im Griff haben, weiter? Diese Frage stellen sich derzeit viele. Sehr laut geäußert wird dabei der Wunsch nach einer Rückkehr zur Normalität. Gemeint ist damit der Zustand vor Beginn der Pandemie. Aber wollen wir das wirklich? Nein! Nichts wäre falscher, als so weiter zu machen wie vor der Pandemie. Denn es ist doch nicht normal, dass wir unseren Planeten für die kommenden Generationen unbewohnbar machen! Es ist nicht normal, dass wir in den reichen Ländern auf Kosten der Armen leben! Es ist nicht normal, dass Menschen, die sich nach einem guten Leben sehnen, auf Mauern und Stacheldraht stoßen, eingepfercht werden oder ihr Leben verlieren! Und es ist nicht normal, dass wir uns in der Kirche viel mehr um uns selbst drehen als für die Menschen da sind.
Gesellschaft und Kirche brauchen nach der Pandemie ein neues ‚Normal‘. Die Krise, die wir als Gesellschaft und Kirche durch Corona erleben, muss ein Weckruf sein, überkommene Denkmuster und Verhaltensweisen aufzugeben und mutig Neues zu wagen. Als Gesellschaft müssen wir er-kennen, dass in vielen Feldern Weniger Mehr ist: Wir brauchen weniger Konsum, weniger Egoismus, weniger Gewinnorientierung. Notwendig sind mehr Verzicht, mehr Solidarität, mehr Bewusstsein für die Verwundbarkeiten unserer Welt und mehr Sorge füreinander – im Kleinen wie im Großen.
Und als Kirche muss unser neues Normal so aussehen, dass wir einladend, optimistisch, fröhlich Kirche im Dienst an den Menschen sind. Als Kirche werden wir uns für dieses Normal in der Gesellschaft einsetzen, nicht nur an der Seite der Armen, Entrechteten und Einsamen, sondern mitten unter ihnen. Das ist die Botschaft Jesu Christi, der als Erlöser aller Menschen in die Welt gekommen ist und das Zentrum unseres Glaubens und allen kirchlichen Lebens darstellt.“

Weitere Infos unter www.bistum-muenster.de

Zusammenfassung kirchliches Leben Bistum Münster 2020

(PBM/CB)

 

 

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