Weihbischof Rolf Lohmann trifft sich auf Kloster Kamp mit Abgeordneten

Mit Weihbischof Rolf Lohmann (vorne) berieten sich (hinten, von links) Dr. Ansgar Müller,
Norbert Killewald, Bernd Reuther, Charlotte Quik und Sabine Weiß. Nicht auf dem Foto sind
Dr. Barbara Hendricks und Wolfgang Spreen. (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian
Breuer)

Dankbar hat sich Weihbischof Rolf Lohmann gezeigt,
dass während der Corona-Krise „so vernünftig zwischen Staat und Kirche agiert wurde“. Das
sagte der für den Niederrhein und Recklinghausen zuständige Regionalbischof während eines
Treffens mit Politikerinnen und Politikern aus Bund, Land und Region.
Zum zweiten Mal hatte der Weihbischof zum Niederrhein-Gipfel auf Kloster Kamp eingeladen.
„Es gab keine Untertänigkeit seitens der Kirche, sondern eine verantwortungsvolle Absprache
im Sinne der Menschen“, erteilte er gegenteiligen Verschwörungstheorien eine klare
Absage. „Politik und Kirche tragen eine gemeinsame Verantwortung für alle Menschen“,
erklärte er zur Begrüßung. Der Einladung gefolgt waren Dr. Barbara Hendricks (MdB, SPD),
Sabine Weiß (MdB, CDU), Bernd Reuther (MdB, FDP), Charlotte Quik (MdL, CDU), die beiden
Landräte Wolfgang Spreen (Kreis Kleve) und Dr. Ansgar Müller (Kreis Wesel) sowie Norbert
Killewald, Vorsitzender der SPD im Kreis Kleve. Von kirchlicher Seite dabei waren die beiden
Kreisdechanten Stefan Sühling und Johannes Mecking, die Kreisdekanatsgeschäftsführer
Wolfgang Kürten und Patrick de Vries sowie Markus Toppmöller, Direktor der Wasserburg
Rindern.
Die rund zweieinhalbstündigen Gespräche standen deutlich unter dem Eindruck der Folgen,
die die Corona-Pandemie schon jetzt hinterlassen hat. Dabei ging es ebenso um ethische wie
auch wirtschaftliche Fragen. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass es durch die Pandemie
nicht zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft durch extreme Gruppierungen kommen
dürfe. So betonte etwa Sabine Weiß: „Die demokratische Mitte muss deutlicher Farbe bekennen,
auch die Kirche.“ Es gebe bereits, sagte Weihbischof Lohmann, „klare und eindeutige
Signale“ zum Umgang mit Extremismus, sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch der
Kirche. Jedoch habe die Minderheit oft eine laute Stimme, die eher gehört werde als die der
Mehrheit. Der Weseler Kreisdechant Stefan Sühling stellte fest: „Unsere Sprache muss deutlicher
werden und wir brauchen eine klarere Kommunikation.“
Durch die Pandemie könne der Eindruck entstehen, sagte der Weihbischof, dass andere
Themen zweitrangig geworden seien, wie etwa der Umweltschutz. „Der bleibt aber ein primäres
Thema“, betonte Lohmann, der als Umweltbischof der Deutschen Bischofskonferenz
(DBK) gilt. Er selbst habe bereits mehrfach das Aktionsbündnis „Fridays for Future“ unterstützt
und habe bei seinen zahlreichen Begegnungen am Niederrhein immer wieder mit ökologischen
Themen zu tun, insbesondere mit Blick auf die Landwirtschaft und den Kiesabbau.
Das sei in der Tat, sagte Charlotte Quik „ein großes Spannungsfeld“. Einerseits gebe es in der
Region einen Rohstoff, an dem sehr großes Interesse bestehe, andererseits müsse aber neben
der Bedarfsdeckung auch die Region in den Blick genommen werden. Zur Landwirtschaft
erklärte Bernd Reuther, dass es wichtig sei, mit den Landwirten im Dialog zu bleiben. „Auch
in der konventionellen Landwirtschaft wird an vielen Stellen nachhaltig und verantwortungsbewusst
gewirtschaftet“, sagte er.
Weihbischof Lohmann berichtete schließlich über seine Erfahrungen im Reformprozess der
katholischen Kirche, dem sogenannten Synodalen Weg. Dabei nahm er Bezug auf den ersten
Niederrhein-Gipfel im Jahr zuvor, bei dem die Politiker deutliche Reformen angemahnt hatten.
„Die Bereitschaft, die großen Themen zu diskutieren, ist da“, sagte Lohmann nun im
Rückblick auf die erste Versammlung des Synodalen Wegs: „Es hat mich beflügelt, dass die
offenen Gespräche so möglich waren und ich habe große Hoffnung in diesen Prozess.“ Charlotte
Quik erinnerte jedoch: „Bei allen Diskussionen ist es wichtig, darzustellen, dass die Kirche
für die Menschen da ist und nicht aus reinem Selbstzweck diskutiert.“ Norbert Killewald
mahnte eindringlich: „Wenn sie das nicht schaffen, was sie sich jetzt vorgenommen haben,
dann verlieren sie den Platz in der Gesellschaft. Das ist eine Glaubwürdigkeitsfrage. Ich freue
mich, dass sie sich auf den Weg gemacht haben.“
Am Ende des Vormittages dankte Weihbischof Lohmann den Teilnehmern für die offenen
und konstruktiven Worte und kündigte an, den Dialog weiter fortsetzen zu wollen. Kritik und
Anregungen werde er sowohl zur Bistumsleitung in Münster als auch zur DBK mitnehmen.
Darüber hinaus werde er noch gezielte Gespräche zu einzelnen Fachfragen führen, die bei
dem Niederrhein-Gipfel angestoßen wurden.

Quelle: PBM

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