Millinger KAB feierte 100-Jähriges

Halten heute für die Millinger KAB die Fahnen hoch: Heinz Thron, Alois Haves, Bernhard Hözel, Michael Hombücher, Hubert und Anne Terhorst sowie Martin Rulofs. Foto: Markus van Offern

Rückblick auf eine bewegte Zeit. Das Ziel 1919: Die Arbeiterschaft sollte nach dem Krieg und dem Ende des Kaiserreichs ihren Anteil am Aufbau eines neuen politischen Systems haben!

Es ist 100 Jahre her, dass der Millinger Pfarrer Theodor Rennings am 27. Juli 1919 die Idee zur Gründung eines KAB-Ortsvereins hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Untergang des Kaiserreiches musste eine neue Gesellschaft aufgebaut werden. Daran sollte auch die Arbeiterschaft beteiligt werden. Dies hatte der Gründer der KAB in Deutschland, Bischof Emanuel Ketteler, immer gefordert.

Auch in der Arbeiterschaft der Pfarrgemeinde Millingen gab es schon lange den Wunsch nach Gründung eines konfessionellen Arbeitervereins. Die Zeit drängte, da die Mitglieder der sozialdemokratischen Ortsgruppe eine intensive Werbetätigkeit entfalteten.
Auf der Gründungsversammlung traten dem neu gegründetem Verein auf Anhieb 94 Männer bei. Der Monatsbeitrag betrug damals 30 Pfennig. Als 1. Präses wurde am 7. September 1919 Kaplan Bullmann vom Bischof ernannt.

In den Folgejahren entwickelte sich die KAB Millingen erfreulich. Im Dezember 1919 wurde eine Theatergruppe mit ihrem Spielleiter Wilhelm Mäteling gebildet. Außerdem gründeten 15 Männer im März 1920 einen Gesangverein unter Leitung von Peter Pützkaul.
 
Anfang 1921 zählte der Verein 220 Mitglieder, die 2,20 Mark Monatsbeitrag zahlten. Auf Anregung vom Pfarrer Rennings wurde am 4. März 1923 die Gründung einer vereinsinternen Sterbekasse auf Gegenseitigkeit beschlossen, um die finanziellen Folgen eines Trauerfalls abzumildern. Auch Frauen konnten dieser Sterbekasse als gleichberechtigte Mitglieder beitreten.

Das Jahr 1923 war das mit der größten Geldentwertung. Das spürte auch die KAB: Im Oktober wurde der Monatsbetrag auf 5.000.000 Mark heraufgesetzt. Doch nach der Währungsreform normalisierten sich die Verhältnisse wieder und der Monatsbetrag betrug ab Dezember nur noch 15 Pfennig.

Es gab jedoch auch Misstöne: Im Jahr 1927 wurde der Gewerkschaftsführer Kreyenbrink aus Isselburg auf der Delegiertentagung in Rees zum Arbeitersekretär gewählt. Daraufhin erklärte Pfarrer Rennings, dass er nicht mit einem Gewerkschaftler zusammenarbeiten könne und stellte sein Amt als Bezirkspräses zur Verfügung. 

Im Jahre 1929 gehörten der KAB Millingen inzwischen 409 Mitglieder an. Die Jahre des Nationalsozialismus brachten schwere Einschnitte in das Vereinsleben. Aufgrund staatlicher Verfügung musste die Sterbekasse aufgelöst werden. Die KAB Millingen schloss sich daraufhin der Leo-Sterbeversicherung an.

Im Jahr 1937 war der Mitgliederbestand von einmal 480 auf 110 gesunken. Einen Neuanfang gab es nach dem Krieg: 70 Mitglieder waren noch übriggeblieben. Bereits Anfang 1947 zählte der Verein schon 80 Mitglieder. Auf der Generalversammlung am 13. Januar 1952 wurde die neue Satzung der KAB bekanntgemacht. In der Chronik findet sich zum ersten Mal die Bezeichnung KAB. Auf der Generalversammlung am 17. März 1974 konnten 29 Frauen als aktive und stimmberechtigte Mitglieder begrüßt werden. Im September 1976 wurde erstmals eine Pfarrkirmes veranstaltet. Der Reinerlös war für die Missionsarbeit von Pater Paul Böcker-Schepers bestimmt.
    
Die KAB Millingen bot in den folgenden Jahren immer wieder Vorträge zu interessanten Themen aus den Bereichen Gesundheit, Politik und Gesellschaft an. Einen festen Platz im kirchlichen Leben hat das „Sozialpolitische Abendgebet“, zudem die KAB immer am Gründonnerstag einlädt. Einen ganz besonderen Beitrag zur Bildungsarbeit der KAB Millingen leistete Norbert Behrendt mit seinen Büchern zur neueren Millinger Geschichte.

Wilhelm Brauer, Vorsitzender von 1973 bis 1998 und länger in diesem Amt als jeder seiner Vorgänger, setzte viele positive Akzente, die die KAB Millingen als einen lebendigen Verein ins Bewusstsein der Gemeinde verankerte. So konnte er 1998 seinem Nachfolger Hubert Terhorst ein wohlbestelltes Feld übergeben.

(RP)

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