Zum 1. Februar 2026 hat Frank Ingendae die Koordination der Ökumenischen Notfallseelsorge seitens der katholischen Kirche im Kreisdekanat Kleve übernommen. Er folgt auf Peter Bromkamp, dem wir für sein langjähriges Engagement herzlich danken. Gemeinsam mit Kerstin Pekur-Vogt vom Evangelischen Kirchenkreis verantworten beide die Notfallseelsorge im Kreis Kleve.
Die Ökumenische Notfallseelsorge begleitet im Kreis Kleve seit 1999 Menschen in akuten Krisen – unabhängig von Konfession oder Religion – und ist rund um die Uhr im Einsatz. Getragen wird sie vom evangelischen Kirchenkreis Kleve und dem katholischen Kreisdekanat Kleve.
Aber Sie fragen sich bestimmt: Wer ist Frank Ingendae – und was bewegt ihn in der Notfallseelsorge? In diesem Interview gibt der neue Koordinator der Ökumenischen Notfallseelsorge im Kreisdekanat Kleve persönliche Einblicke in seine Motivation und seine Arbeit.
Können Sie sich kurz vorstellen?
Mein Name ist Frank Ingendae. Aufgewachsen bin ich vor 52 Jahren im schönen Spargeldorf Walbeck. Jetzt lebe ich mit meiner Frau und den drei Erwachsenen Kindern in Twisteden.
Was hat Sie persönlich zur Notfallseelsorge geführt?
Als Pastoralreferent habe ich in Wachtendonk-Wankum-Herongen gearbeitet. Eine Pfarrei mit vier Autobahnauffahrten der A40. Da kamen zwangsläufig Anfragen - auch weil im südlichen Gelderland nicht so viele Notfallseelsorger tätig waren. Mit der Neuausrichtung der Notfallseelsorge habe ich gedacht: Jetzt kannst Du es auch offiziell und geschult machen.
Was bedeutet Notfallseelsorge für Sie – in einem Satz?
In den schrecklichen Situationen Menschen Halt geben und bei den schweren nächsten Schritten helfen.
Wie würden Sie die zentralen Aufgaben eines/einer Notfallseelsorge-Koordinator/in beschreiben?
Es ist auf jeden Fall ein Form von gemeinsamer Teamleitung und Systemstützung.
Gibt es ein Erlebnis, das Ihre Entscheidung für dieses Arbeitsfeld besonders beeinflusst hat?
Ja, tatsächlich die Anfrage von meinem Vorgänger und Diözesankoordinator Peter Bromkamp, ob ich nicht Interesse an der Aufgabe hätte.
Was war der Moment, in dem Sie wussten: „Das ist mein Arbeitsfeld“?
Schon fast ein spirituelles Erlebnis. Ich habe etwas ratlos in einer Kirche gebetet, wo mein beruflicher Weg denn so hingehen soll. Irgendwann merke ich, ich sitze unter der Kreuzwegstation „Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen“. Ok. dachte ich, dass ist nicht so weit von NFS entfernt.
Welche Schwerpunkte möchten Sie als Koordinator/in setzen?
Mir ist wichtig, dass das Team Wertschätzung ihres Tun erfährt und sich immer wieder bewusst macht, wie wertvoll ihr Einsatz ist, egal wie er verläuft.
Was ist Ihnen für die Zusammenarbeit im Team besonders wichtig?
Ich habe schon gemerkt: Es geht nicht ohne offene Aussprache und Transparenz. Wir müssen uns gegenseitig stützen und miteinander gut reflektieren.
Welche Ziele haben Sie für das erste Jahr im Amt?
Möglichst alles richtig zu machen und gut in die Details hineinzukommen.
Was ist Ihnen in der Kooperation mit Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Leitstelle besonders wichtig?
Das gegenseitige ergänzende Tun deutlich zu machen.
Was ist Ihnen in der Vernetzung der Akteure im Krisenfall besonders wichtig?
Das die Dienstwege und Befehlskette eingehalten wird und eine Ordnung entsteht, die das Chaos möglichst in den Griff bekommt.
Was ist Ihnen in der Begleitung und Unterstützung der Notfallseelsorger/innen wichtig?
Ich glaube, dass eine persönliche Weiterentwicklung der Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger in ihrem Tun Priorität hat und auch den Dienst erfüllend sein lässt.
Wie erkennen Sie, wenn jemand im Team Unterstützung braucht?
Sei es durch Einsatznachbesprechungen oder Intuitive Wahrnehmung. Hoffe ich.
Was macht für Sie gute Teamkommunikation aus?
Einen Fokus auf das Verstehen von dem was mein Gegenüber sagen will zu legen.
Wie gehen Sie persönlich mit belastenden Einsätzen um?
Das ist eine Balance zwischen Erzählen, Gebet und fachliche Reflektion, die mir hilft, damit klar zu kommen. Hinzu kommt die Einsicht: ja es passieren schlimme Dinge. Aber es geschehen auch gute Dinge. Alles hat seine Zeit. Je weniger verdrängen, desto weniger Mächtig sind schreckliche Erfahrungen. Ein wichtiger Punkt ist aber auch, dass ich meistens nicht persönlich betroffen bin. Also ich leide nicht, mir geht es ja gut. Das erleichtert es, in diesem Dienst wirklich die Hilfe zu sehen – und wenn sie nur mit Aushalten ist.
Welche Bedeutung haben Supervision, Austausch und Selbstfürsorge für Sie?
Ohne diese ist meine Arbeit nicht möglich!
Welche Entwicklungen oder Verbesserungen wünschen Sie sich für die Notfallseelsorge?
Es wäre vermessen, wenn ich jetzt schon darüber sprechen wollte.
Wie möchten Sie die Notfallseelsorge in der Region weiter stärken?
Gemeinsam mit meinem evangelischen Part, Frau Kerstin Pekur – Vogt und dem ganzen Team. Die Stärke ist der Zusammenhalt. Dann klappt es meist auch mit der Außenwirkung.
Was sollten die Menschen über Sie unbedingt wissen?
Das ich auf dem rechten Ohr quasi taub bin. Das andere aber sehr gerne und gut zuhört.
Worauf freuen Sie sich in der neuen Aufgabe am meisten?
Das ist für die Aufgabe keine einfache Frage. Ich liebe den Niederrhein und die Menschen, daher freue ich mich auf meine „Wirkungsstätte“. Und natürlich, weil Ich es gerne mache, mit anderen an einer guten Sache arbeiten.
Kreisdekanat Kleve
03.07.2026