Dr. Heiner Wilmer ist neuer Bischof von Münster. Im vollbesetzten St.-Paulus-Dom in Münster wurde am 21. Juni der Gottesdienst zu seiner Amtseinführung gefeiert. Im Anschluss fand ein Fest der Begegnung auf dem Domplatz statt. Wilmer ist der 77. Bischof von Münster und der 76. Nachfolger des Bistumsgründers, des heiligen Liudger, der 805 erster Bischof von Münster wurde. Das Bistum Münster ist mit knapp 1,6 Millionen Katholiken die mitgliederstärkste Diözese in Deutschland.
Dem Gottesdienst stand Bischof Wilmer vor und predigte auch. Konzelebranten waren: der Metropolit der Rheinischen Kirchenprovinz, der Kölner Erzbischof Dr. Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof Dr. Hubertus Matheus Maria van Megen, der Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Michael Gerber aus Fulda, der emeritierte Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, die Münsteraner Weihbischöfe, der bisherige Diözesanadministrator des Bistums Münster, Dr. Antonius Hamers, der Hildesheimer Domkapitular Martin Wilk sowie von der Ordensgemeinschaft der Herz Jesu Priester, der Bischof Wilmer angehört, deren Generaloberer P. Carlos Luis Suárez Codorniú sowie der Provinzial der deutschen Ordensprovinz, Pater Stefan Tertünte.
In seiner Predigt blickte Wilmer, der seit Februar auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, auf die Pilgerwege zurück, die er in der Woche vor seiner Amtseinführung mit verschiedenen Gruppen im Bistum Münster gegangen war. Dabei habe der Austausch von Glaubens-erfahrungen im Mittelpunkt gestanden. Am Ende der jeweiligen Tage, sagte der Bischof, sei etwas geschehen, was ihn tief bewegt habe. Die Pilgerinnen und Pilger hätten einander „einfache, starke Sätze“ mit auf den Weg gegeben, die gebündelt lauteten: „Seid nicht bange! Steht hin! Haltet fest am Glauben!“ Diese Erfahrungen der Pilgertage verband Bischof Wilmer mit dem Tagesevangelium, das berichtet, wie Jesus die Jünger aussendet. Dabei sagt er ihnen: „Wer sich zu mir bekennt, zu dem bekennt sich auch der Vater im Himmel.“ Dazu betonte Bischof Wilmer: „Bekennen heißt, mit Gott übereinstimmen – und es sichtbar werden lassen.“
Gerade in der heutigen unruhigen Zeit stelle sich die Frage, zu wem man gehöre und zu wem man sich bekenne. „Gelebte Antworten“ hätten unter anderem „prophetische Stimmen“ von Personen gegeben, die aus dem Bistum Münster stammten. So habe die Schriftstellerin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff (1797 bis 1848) auf ausgegrenzte Minderheiten in Gesellschaft und Religion geschaut, also dorthin, wo andere wegsehen. „Und sie stellt sich – leise, aber unüberhörbar – auf die Seite derer, die keine Stimme haben“, sagte der Bischof. Er betonte: „Wenn wir heute hören, was Menschen erzählen, die Opfer von Gewalt geworden sind, die missachtet wurden, verletzt wurden, deren Würde angetastet wurde – dann spüren wir, wie nah uns diese Stimme ist. Es sind die Geschichten von Überlebenden von Machtmissbrauch. Geschichten, die lange nicht gehört wurden. Geschichten, die uns nicht in Ruhe lassen dürfen.“
Als zweite „prophetische Stimme“ erinnerte der Bischof an Maria Droste zu Vischering (1863 bis 1899), die im Erbdrostenhof in Münster geboren wurde und ihre letzten Lebensjahre in Porto verbrachte. „Sie verlässt das Vertraute, um dort zu sein, wo Menschen aufgrund der rasanten Industrialisierung am Rand stehen – Mädchen und Frauen, die verarmt sind, die in die Prostitution gedrängt und ausgegrenzt werden, die keine Perspektive haben“, würdigte Wilmer die Ordensfrau, die eine Frau tiefer Mystik gewesen sei. Er führte aus: „Ihr Leben erzählt davon, dass wir nicht nur Verantwortung haben für unsere Familien, menschlichen Beziehungen und Ordensgemeinschaften, unsere Dörfer und Städte, sondern auch für unser Land und für die Welt. Denn wir bewohnen alle das eine große Haus und gehören alle zusammen zu einer großen Menschheitsfamilie. Bekennen heißt: aus der Tiefe Gottes heraus in die Welt gehen. Bekennen heißt: beten – und handeln. Bekennen heißt: Gott suchen – und den Menschen dienen.“
Schließlich erinnerte der Bischof an die 2001 selig gesprochene Schwester Maria Euthymia (1914 bis1955). Im Kriegsgefangenenlager in Dinslaken habe sie sich um die gekümmert, die sie brauchten, auch um Deutschlands Kriegsfeinde. „Schwester Maria Euthymia steht für die laute Stille der prophetischen Stimme und beherztes Handeln“, unterstrich Bischof Wilmer.
Daraus leitete er ab, was „Bekennen“ für die Gläubigen heute bedeute: „Bekennen heißt nicht, perfekt zu sein. Bekennen heißt nicht, keine Zweifel zu haben. Bekennen heißt nicht, immer sicher zu sein. Bekennen heißt, sich ausrichten. Sich festmachen. Sich nicht verstecken.“ Dabei könne man sich, auch wenn man vielleicht Angst habe, Jesu Verheißung sicher sein: „Wer sich zu mir bekennt, zu dem bekennt sich auch der Vater im Himmel.“
Musikalisch gestalteten die Chöre der Dommusik unter Leitung von Domkapellmeister Alexander Lauer und Domkantorin Verena Schürmann den Gottesdienst. Domorganist Thomas Schmitz spielte die Orgel, begleitet vom Orchester STRINGent & Freunde.
Grußworte sprachen der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, der Oberbürgermeister von Münster, Tilman Fuchs, der Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Michael Gerber aus Fulda, sowie Brigitte Lehmann und Ulrich Vollmer für das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Münster. Bischof Wilmer dankte ihnen und allen Anwesenden und Beteiligten.
Zitate zum neuen Bischof aus den Kreisdekanaten Kleve und Wesel:
- Weihbischof Rolf Lohmann (Regionalbischof für den Niederrhein und das Kreisdekanat Recklinghausen): „Mit Bischof Heiner Wilmer bin ich in Dresden vor vielen Jahren zum „Ritter vom Hl. Grab“ investiert worden. Von daher kennen wir uns schon eine geraume Zeit. In der Kommission VI. der Deutschen Bischofskonferenz „für gesellschaftliche und soziale Fragen“, deren Vorsitzender er war, sind wir immer wieder zusammengekommen. Ich schätze an ihm seine aufgeschlossene Art, sein unmittelbares Zugehen auf die Menschen, seine klare Haltung in sozialen und ökologischen Fragen, seinen Humor und seine tiefe Spiritualität. Ich freue mich, mit ihm in unserem Bistum zusammenarbeiten zu dürfen, mit ihm Modelle der Zukunft unserer Gemeinden und der Pastoral zu entwickeln und ihm die schöne und bunte Region des Niederrheins und des Ruhrgebietes näher bringen zu können. Hier schlägt nicht nur das Herz einer traditionsreichen christlichen Kultur, sondern das Herz der Menschen, ihre Herzlichkeit, Aufgeschlossenheit und Direktheit. Hier erfahren wir neben wunderbaren Kulturlandschaften auch die Herausforderungen der Arbeitswelt, des Zusammenhalts verschiedener Kulturen, Religionen und Weltanschauungen und der damit verbundenen Herausforderungen. Wie ich ihn kenne, wird er schnell Zugänge zu den Menschen finden und dabei besonders die jungen Menschen in den Blick nehmen. Ich hoffe, dass er sich bei uns wohlfühlt und viele positive geistliche Erfahrungen macht. Ich wünsche ihm dabei Mut und Zuversicht, Kraft und Aufgeschlossenheit und natürlich Gottes reichen Segen und den Beistand des Heiligen Geistes.“
- Irene Lappe (Neukirchen-Vluyn, Beauftragtenteam St. Quirinus): „Ich freue mich, dass der Bischof noch jung ist und hoffentlich mit viel Elan und Geduld unser Bistum leitet. Die Umbrüche und Veränderungen verunsichern viele Gläubige und ich wünsche mir einen Bischof, der trotz allem Zuversicht ausstrahlt, die uns Mut macht, die Veränderungen mitzutragen. Offene Gespräche und eine Sichtbarkeit nicht nur in Münster wären eine schöne Option.“
- Stefan Dördelmann (Kevelaer, Wallfahrtsrektor): „Ich hoffe, dass unser neuer Bischof auch in Zukunft so viel Wohlwollen erleben wird wie bei der Bekanntgabe damals im Dom. Außerdem hoffe ich, dass unser neuer Bischof bald Kevelaer besuchen wird und die Trösterin der Betrübten liebgewinnt. Ich wünsche unserem neuen Bischof in unserem Bistum und auf Ebene der Bischofskonferenz gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf die er sich verlassen kann. Ich denke, dass unser neuer Bischof - allein durch die Art und Weise wie er zuhört, er präsent ist und spricht - Menschen für das Evangelium erreicht. Von Bischof Wilmer erwarte ich Impulse, wie wir gemeinsam die vielen geänderten neuen Strukturen so mit Geist erfüllen können, dass junge Menschen und Familien auf den Geschmack des Evangeliums kommen und positiv Gemeinschaft in der Kirche erleben.“
- Conny Graßhoff (Issum-Sevelen, Mitglied im Diözesanrat und Diözesankomitee, als Laiin an der Bischofswahl beteiligt): „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Bischof und bin überzeugt: „Zusammen geht was“. Reformprozesse müssen glaubwürdig, mutig und im Geist des Evangeliums gestaltet werden. Besonders wichtig sind zeitgemäße Strukturen, eine transparente und dialogorientierte Kirche sowie die stärkere Beteiligung von Laiinnen und Laien an Entscheidungsprozessen. Ich wünsche mir, dass die Vertretungen der Laien im Bistum und der neue Bischof diese Veränderungen fröhlich, positiv denkend, lösungsorientiert und mutig angehen. Bischof Wilmer wünsche ich Gottes Segen, Weisheit, Kraft und Orientierung im Bischofsamt und freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm.“
- Patrick de Vries (Emmerich-Praest, Geschäftsführer Kreisdekanate Wesel und Kleve): „Ich freue mich auf einen Bischof, der nah am Menschen und ein guter Zuhörer ist. Als Brückenbauer möge er die Regionen des Bistums, das Hauptamt mit dem Ehrenamt und die vielfältigen Aufgaben unseres Bistums verbinden und ausbauen. Ich wünsche ihm, dass er trotz seiner großen Verantwortung immer die Kraft und Freude behält – so wie ich ihn jüngst in Geldern am Niederrhein erleben durfte.“
- Sabine Lipiak (Kamp-Lintfort, Katholisches Bildungsforum Kreisdekanat Wesel): „Im Katholischen Bildungsforum im Kreisdekanat Wesel haben wir die Ernennung von Bischof Wilmer mit sehr großer Freude aufgenommen. Für seine neue verantwortungsvolle Aufgabe wünschen wir ihm von Herzen alles Gute sowie Gottes reicher Segen.“
Text: Bischöfliche Pressestelle
Foto: Bischöfliche Pressestelle
21.06.2026