Weihbischof Lohmann feierte „Erscheinung des Herrn“ im St.-Paulus-Dom Münster

Weihbischof Rolf Lohmann hat in Münster das Fest der Erscheinung des Herrn gefeiert. (Foto: Bischöfliche Pressestelle)

„Gott kommt in ungeschützten Verhältnissen zur Welt“

Am Fest der Erscheinung des Herrn, das mit dem Gedenken an die Weisen aus dem Morgenland, die heiligen drei Könige, in Verbindung gebracht, wird, hat Weihbischof Rolf Lohmann ein Pontifikalamt im St.-Paulus-Dom in Münster gefeiert. Der Regionalbischof für den Niederrhein und Recklinghausen erinnerte zunächst an die Kinder und Jugendlichen, die in diesen Tagen als Sternsinger durch die Straßen ziehen: „Sie klingeln an vielen Türen und bringen die frohe Kunde über die Geburt des Messias sowie den Segen für die jeweiligen Häuser oder Wohnungen.“
Lohmann machte deutlich, dass die Geburt Jesu im Stall zu Betlehem nicht der Messias-Erwartung entsprach, die damals herrschte. „Wir befinden uns in einer Zeit, zu der der Tempel noch vorhanden war und damit der Königssitz für den Messias. Der Tempel ist seit der Zeit Davids eng mit der Messias-Erwartung des jüdischen Volkes verbunden“, erklärte er. Tatsächlich aber werde im Evangelium der Blick von Jerusalem „mit all den religiösen Institutionen und Erwartungen“ weggelenkt. „Die Interpretation des Kommens Gottes in diese Welt verlagert sich in eine prekäre und ungeschützte Situation. Nicht die befestigten Mauern und die sichere Stadt sind Orte der Menschwerdung Gottes, sondern die unsichere Weite.“
„Gott“, sagte der Weihbischof weiter, „kommt in ungeschützten Verhältnissen zur Welt. Eine Realität, die so gar nicht in unser heutiges kirchliches System zu passen scheint. Wir haben uns eingerichtet in einer Wohlfühlatmosphäre, die wir uns immer noch leisten können. Gegensätzlich dazu sind die Sterndeuter. Sie huldigen und anerkennen den König der Juden, indem sie sich auf den Weg zu ihm machen.“ Für ihn, erklärte Lohmann, brächen da Fragen auf: „Wem folgen wir heute? Machen wir uns auf den Weg, um Jesus zu sehen? Wie ist es um unseren Lebensstil in der Nachfolge Jesus bestellt?“ Die Sterndeuter zeigten ihm etwas von der Wirklichkeit Gottes auf. „Wir finden ihn gerade dort, wo wir ihn nicht suchen. Er ist gerade dort, wo er unseren Vorstellungen nach nicht sein kann.“

Die Menschen dürften wagen, ihm Glauben an Gott neue und unsichere Wege zu gehen, sagte Lohmann: „Ich habe dabei den Synodalen Weg vor Augen genauso wie den Prozess der Bildung der pastoralen Räume in unserem Bistum. Noch wissen wir nicht, was die Endergebnisse sein werden. Sicher bin ich mir aber darin, dass das ein Weg der erneuerten Nachfolge sein kann.“ Alle Christinnen und Christen seien gefordert, durch ihr Leben Zeugnis zu geben von dem menschgewordenen Gott. Dabei gelte es auch auf das Zeugnis derjenigen zu hören, die sich aus unterschiedlichen Gründen in den vergangenen Jahren aus der Kirche verabschiedet haben oder gegangen sind. „Sie sind ebenso in ihrer Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit Teil des Volkes Gottes und haben uns aus der Distanz etwas zu sagen. Und bei gewissen Dingen müssen wir uns von den vielen Stimmen derer, die nicht mehr Teil der Kirche sein wollen oder es nie waren, sagen lassen, was wir korrigieren müssen, wo unser Lebensstil eben nicht zum Evangelium passt.“

Zum Ende seiner Predigt rief Weihbischof Lohmann die Gläubigen auf, dem Stern zu folgen, der zu Jesus führt, „damit wir ein Leben mit ihm und seiner nicht immer einfachen und bequemen Botschaft wagen. Ich bin der festen Überzeugung: Es ist das sinnvollste Leben, das wir führen dürfen aus dem Glauben heraus.“
 

PBM