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    "Licht auf meinem Weg"

Basilika-Organist Elmar Lehnen: „Bin gespannt, wie die Orgel am Ende klingt“

Instrument wird aufwendig saniert – „Klang (T)Raum Basilika“ ab 3. Juni

Elmar Lehnen steht auf der Orgelempore neben vielen kleinen Orgelpfeifen, die zur Restaurierung ausgebaut wurden.

Dort, wo nun Elmar Lehnen steht, sorgen sonst Orgelpfeifen für Musik. Derzeit sind nur die Löcher in den Holzbohlen zu sehen.

Es ist wie eine Operation am offenen Herzen, die gerade in der Kevelaerer Marienbasilika durchgeführt wird: Mitten im Wallfahrtsbetrieb wird die große Orgel, deren Klang nicht aus dem Gottesdienst wegzudenken ist, restauriert und erweitert. Eine Aufgabe, die noch bis in das kommende Jahr dauern wird.

Dass die Pilger dennoch musikalisch begrüßt werden liegt daran, dass im Wechsel immer ein Drittel der rund 10.000 Orgelpfeifen installiert bleiben. Basilika-Organist Elmar Lehnen: „Ich spüre den Unterschied natürlich sofort und merke auch beim Spielen, wie viel fehlt, aber Besucher, die die Orgel nicht kennen, hören es vielleicht gar nicht.“ Wobei selbst Lehnen – noch – nicht weiß, wie das Instrument klingt, wenn es vollständig aufgebaut ist.

115 Jahre sind seit dem Bau der Orgel vergangen, immer wieder wurde sie dem Zeitgeist angepasst. „Es ist eigentlich eine romantische Orgel, deren Klang aber im Laufe der Jahrzehnte immer mehr verfälscht wurde“, erklärt Lehnen. Das soll sich nun ändern. Ziel ist es, der Orgel wieder ihren ursprünglichen Klang zurückzugeben. „Ich bin unheimlich gespannt, wie die Orgel am Ende klingt“, gibt Lehnen zu. Bis er das erfährt, ist jedoch noch viel zu tun. Ausgebaute Pfeifen stehen, fein säuberlich sortiert, derzeit auf der Empore, andere sind in die Orgelwerkstatt gebracht worden. „Alle werden gereinigt, einige müssen neu gelötet werden“, weiß Lehnen. So wirkt das Innere der Orgel, das man durch eine unscheinbare Tür auf der Empore betritt und über steile Holztreppen erkunden kann, schon fast leer. Nur die zahllosen Löcher in den Holzbohlen, in denen sonst Pfeifen stecken, lassen erahnen, welche Ausmaße das Instrument hat. Aber schließlich ist es ja auch die größte deutsch-romantische Orgel der Welt.

Möglich ist die Restaurierung einerseits durch das unermüdliche Engagement des Orgelbauvereins, dessen Mitglieder immer wieder Spenden sammeln. Andererseits gaben Finanzspritzen aus Förderprogrammen des Bundes und des Landes NRW den Ausschlag, jetzt mit dem Projekt zu beginnen. „Das war eine einmalige und wahrscheinlich auch die letzte Gelegenheit, alles optimal zu machen“, sagt Lehnen. Und ergänzt: „Alle, die an dieser Restaurierung beteiligt sind, wissen, dass sie jetzt Geschichte machen.“ Wann die Orgel dann erstmals in voller Pracht zu hören sein wird, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Denn nach der Restaurierung und Vervollständigung steht noch die Intonation an. Ein höchst langwieriger und nervenaufreibender Prozess, wie Lehnen erklärt. Alle Töne müssen perfekt aufeinander abgestimmt werden, was nur bei ansonsten absoluter Stille und höchster Konzentration möglich ist. „Da werden wir Tag und Nacht in der Kirche sitzen und hören“, sagte der in Hinsbeck geborene Organist voraus. 2024 jedenfalls, das steht schon jetzt fest, wird es ein großes Festjahr und um die neue alte Orgel geben.

Und auch, wenn die „Königin der Instrumente“ in abgespeckter Form spielbar bleibt, möchte die Wallfahrtsleitung das Gotteshaus klanglich neu erfahrbar machen. „Klang (T)Raum Basilika“ ist eine Konzertreihe überschrieben, die Pastoralreferent Dr. Bastian Rütten als „ein Klang-Raum-Wort-Experiment“ bezeichnet. Jeweils ein einzelnes Instrument werde an vier Abenden, immer freitags, in den Mittelpunkt gestellt, dessen Klang eingebunden wird in kurze Wortbeiträge. „Das wird eine ganz neue Erfahrung mit Instrumenten, die zu Festen im Kirchenjahr passen“, erläutert Rütten, der klarstellt: „Nach dem 45-minütigen Impuls sollen die Menschen den Abend weiterdenken. Wir möchten ihnen Aufgaben mit auf den Weg geben und keine Ergebnisse liefern. Die Töne sollen nicht nur in den Kopf, sondern ins Herz gehen.“ Die Reduzierung auf ein einzelnes Instrument „ist kein Notnagel, sondern eine Übung, einzelne Instrumente wieder kennenzulernen. Das ist übrigens auch für die Musiker neu, alleine einen ganzen Kirchenraum zu füllen. Sie freuen sich darauf“, weiß der Pastoralreferent.

Der erste Abend von „Klang (T)Raum Basilika“ beginnt am Freitag, 3. Juni, um 20 Uhr zum Thema „Begeisterung und Leidenschaft“. Ole Hansen wird zum Pfingstfest das Cello spielen. Weitere Termine sind 12. August (Annette Giefer, Flöte), 21. Oktober (Gerlinde Kraft, Klarinette) und 25. November (Susana Feige, Harfe). Der Eintritt ist frei, die Organisatoren bitten jedoch um eine Spende zur Deckung der Kosten.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Christian Breuer
30.05.2022

Matomo